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Meinung

Das Bloggen und die Arschkriecherei

Bloggen soll Spaß machen – zumindest war das das A und O in der früheren Blogosphäre. Inzwischen geht es überall nur noch um Erfolg und Geld. Und dafür wird anderen ordentlich in den Arsch gekrochen. Etwas, worauf ich einfach keinen Bock mehr habe.

Seit acht Jahren blogge ich. Früher unter dem Namen “Looking through a Camera Lens”, seit geraumer Zeit unter meinem richtigen Namen “Malina Florentine” (Ja, ich heiße tatsächlich so…). Meinen Blog habe ich damals mit 15 gegründet, weil ich eine Plattform wollte, um meine Fotos zu teilen. Früher war das hier nämlich ein reiner Fotografieblog. Erstellt habe ich ihn aus Spaß, so wie alle anderen damals auch. Dass sich mit Blogs auch der ein oder andere Cent verdienen lässt, war damals für mich völlig fremd. Ist aber im Prinzip eine tolle Entwicklung.

Tut man es nicht, geht man unter

Aber auch leider nur “im Prinzip”. Denn heute, da hat irgendwie jeder einen Blog. Was ja auch erstmal nicht schlimm, sondern ziemlich cool ist. Vor einigen Jahren habe ich von meinem Hobby niemandem erzählt, weil keiner etwas damit anzufangen wusste. Das ist heute zum Glück anders.  Das eigentliche Problem ist aber: Jeder – mich erstmal nicht ausgenommen – möchte möglichst viel Profit aus dem eigenen Blog schlagen. Das geht wiederum nur, wenn man möglichst erfolgreich wird. Und dafür muss man etwas tun: unzählige Kommentare auf anderen Seiten hinterlassen, tausende Instagramfotos liken, allen anderen in den Arsch kriechen. Tut man das nicht, wird man nicht wahrgenommen. Man geht unter zwischen der Vielzahl an Blogs, egal wie gut der Content sein mag.

Alle sehen nur noch ihren eigenen Nutzen

Das ist genau das, worauf ich absolut keinen Bock mehr habe. Denn: Woher weiß man nun, ob ein Kommentar wirklich verfasst wurde, weil die Person den Beitrag gut fand oder lediglich kommentiert hat, damit andere auf den eigenen Blog aufmerksam werden? Leider kann man es nicht wissen. Außer bei Personen, die seit Jahren zur Leserschaft gehören und regelmäßig geistreiche Kommentare hinterlassen, über die man sich dann auch wirklich freut. Alles andere schreit nur so nach Oberflächlichkeit. Denn mir kommt es so vor, als ob alle nur noch an ihrem eigenen Nutzen interessiert sind. Nicht aber daran, wirklich Teil einer Community zu sein. Dieses Community-Gefühl ist inzwischen flöten gegangen.

“Geiler Style, Bro”

Auch ich bekenne mich schuldig: Eine Zeit lang habe ich wie wild Kommentare geschrieben, Instagramposts geliked und so weiter. Aber wisst ihr was? Es erfüllt einen nicht, es frisst nur kostbare Zeit, die ich lieber in meine realen Mitmenschen investiere. Natürlich gehen die Klickzahlen minimal in die Höhe. Trotzdem fühlt man sich heuchlerisch: Man schleimt sich bei anderen ein, nur um selbst erfolgreicher zu werden. Noch schlimmer: Man zahlt für Bots, die bei anderen geistreiche Kommentare auf dem Instagramprofil hinterlassen wie “Geiler Style, Bro” oder “Nice”. Kommentare, womit man nun wirklich nicht groß etwas anfangen kann; die keinem etwas bringen.

Es macht nicht glücklich

Natürlich ist es schön, wenn viel kommentiert wird. Eine Sache nehme ich mir persönlich aber auf alle Fälle vor: anderen nicht mehr in den Arsch zu kriechen, nur um die eigene Reichweite zu steigern. Denn am Ende des Tages macht es nicht glücklich. Das Einzige, das wirklich glücklich macht ist, wenn man viel Spaß an einer Sache hat. Und das sollte für alle immer im Vordergrund stehen. Egal, wie verlockend es ist, mit dem Blog das Taschengeld aufzubessern. Meine Seele möchte ich dafür zumindest mit heuchlerischen Kommentaren nicht verkaufen, sondern lieber nur noch etwas zum Thema beitragen, wenn ich wirklich etwas zu sagen habe, oder mir etwas besonders gut gefällt.