Raus aus der Achterbahn

Auf, Ab, Looping, rasende Geschwindigkeit, Kribbelgefühl und dann dann der harte Aufprall. Wer kennt es nicht: Die Freundin mit der Achterbahn-Beziehung, die sich entweder bei einem auskotzt oder für drei Tage super happy ist. Genau die war ich, und ich kann jedem raten: Es bringt nichts, an so etwas festzuhalten.

Wir hatten uns im Club kennengelernt, wenige Tage später waren wir bereits zusammen. Nicht meine Idee, es ging mir irgendwo zu schnell. Nein habe ich trotzdem nicht gesagt, und habe es einfach auf mich zukommen lassen. Die ersten paar Wochen waren super, doch schnell kam der erste Streit, ich wurde das erste Mal versetzt, war mit irgendwas nicht einverstanden. Kurz danach war alles wieder toll. Ich versuchte bei jedem Negativen mich stets an das Positive zu klammern. Und das auch manchmal krankhaft.

Trotz der bereits anfänglichen Auf und Abs hielt ich dran fest. Lange Zeit ließ ich mich klein machen, reagierte auf der anderen Seite aber auch oft über. Obwohl wir von unseren Interessen gar nicht zusammenpassten, gaukelte mir vor, dass es eben doch längerfristig funktionieren könnte.

Längerfristig bedeutete nun zwei Jahre. Zwei Jahre Achterbahnfahrt, zwei Jahre mit vielen Tränen, aber auch mit vielen Lachern. Und viel Ärger, viel Drama, viel Versöhnung. Zwei Jahre, in denen ich mich – die eigentlich immer dafür plädiert einfach so zu sein wie man eben ist – zu oft verstellen musste, nur um an ihm festhalten zu können.

Nach eineinhalb Jahren wusste ich eigentlich, dass es zwar für das Jetzt ganz okay ist, aber ich die Achterbahnfahrt spätestens mit dem Studium und dem Wegziehen aus meiner Heimatstadt beenden würde. Es war mittlerweile sogar so weit, dass all meine Freunde bei seinem Vornamen nur noch mit den Augen rollten, es einfach nicht mehr hören konnten. Und trotzdem begriff ich erst viele Monate später, dass das einfach nicht passt. Nicht zu mir passt, nicht zu ihm passt. Dass ich eigentlich ganz anders bin, etwas ganz anderes möchte. Dass ich nicht der Typ für Fertighaus mit weißem Palisadenzaun bin, das zwar von außen ein tolles Leben mit der perfekten Beziehung vorgaukelt, es innen aber ganz anders aussieht.

Und trotzdem war da immer noch etwas, das mich nicht Loslassen hat lassen, bei meinen Freunden hat das für sehr viel Unverständnis gesorgt. Ganz naiv dachte ich, man könne die Spannungen vielleicht in den Griff bekommen, wenn man zusammenzieht. Also suchten wir uns eine Wohnung. Eineinhalb Monate später schmiss ich ihn raus. Es folgten Wochen voller Trennungsdrama mit allem, was dazu gehört. Es war dreckig. Denn so ewig war er der Arsch, ich habe es still und leise mit mir machen lassen. Und nun war ich das Arschloch, das jemandem nicht noch eine allerletzte Chance geben möchte.

Ich erinnere mich noch gut daran, als er mir endlich den Schlüssel für die ehemals gemeinsame Wohnung übergab. Ich rief sofort meine beste Freundin an, wir verbrachten den Abend mit Kippen, Wein und Musik in meiner Küche. Und ich wusste: Jetzt ist es endlich vorbei, ich habe den Bügel nach oben geklappt und bin aus der Achterbahn gestiegen. Noch nie in meinem Leben hatte ich vorher so eine Erleichterung gespürt.

Und jetzt? Jetzt lebe ich endlich richtig, habe endlich wieder Spaß, bin endlich wieder ich selbst, kann tun und lassen, was mir gefällt. Es war die absolut richtige Entscheidung gehen zu lassen. Viel zu viele führen genau so eine Beziehung und können es doch nicht beenden. Vielleicht vor der Angst alleine zu sein, vielleicht vor der Angst, dass es eben dreckig werden könnte. Aber alleine für das, was danach kommt, lohnt es sich.

Hätte ich es nicht durchgezogen, hätte ich alleine im letzten Monat so viel verpasst: durchtanzte Nächte, Abende mit vielen tollen neuen und alten Freunden, viel Wein, viele Zigaretten, viel Musik, guten Küssen und vor allem: ein durch und durch glückliches Ich, das sich nicht verstellen braucht.

 

 

 

10 Comments

  • Reply
    Luisa
    11. Dezember 2016 at 11:45

    oh wow, das kommt irgendwie überraschend, aber ich finde es super, dass du so offen davon sprichst! beziehungen sind nunmal nie perfekt, auch wenn es nach außen (besonders im netz) oft so wirkt. und manchmal ist es eben das beste, getrennte wege zu gehen, so schwer das auch anfangs sein mag. meine trennung letztes jahr verlief zwar ganz anders als deine, aber ich habe nach dem umzug auch gemerkt, wie gut es tut, wenn man einfach tun und lassen kann, was man möchte und sich wieder voll auf sich konzentrieren kann. ich habe mir erstmal richtig bewusst machen können, dass ich der wichtigste mensch in meinem eigenen leben bin und dass ich mein glück und meine zukunft und alles selbst in die hand nehmen kann, ohne dafür eine andere person in meinem leben zu brauchen.

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      malinasternberg
      13. Dezember 2016 at 13:18

      Ja, für richtig Außenstehende kommt das natürlich jetzt sehr überraschend. Zeigt aber auch mal wieder, wie einem das Netz ein perfektes Leben vorgaukelt.
      Und ja, du hast so Recht! Nur mit dem richtigen Partner an der Seite wird auch das mit dem Glück etc. funktionieren, da bin ich mir sicher. Aber wenn es halt nicht der richtige ist, dann wird’s halt auch nichts.

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    Kim
    11. Dezember 2016 at 14:35

    Oh Malina, ich bin da so bei dir!
    Ich lebte auch mit ihm zusammen, ewig dieses Auf und Ab, die dramatischen Streits und die Versöhnungen. Ich ließ alles über mich ergehen, obwohl er einfach nur ein Arsch war. Ich dachte, ich muss ihm helfen und wir könnten zusammen alles meistern. Weit gefehlt, denn er lässt sich einfach nicht helfen, sein Leben in den Griff zu bekommen und ich denke, das wird sich nie ändern. Man verliert die Wahrnehmung dafür, was noch normal und was einfach nur noch “krank” ist. Den endgültigen Schlussstrich zog ich, weil ich plötzlich Angst vor mir selbst hatte. Ich fühlte mich bei den Streits irgendwann so schlecht, weil er im emotional so im Griff hatte und das machte mir Angst. Ich wusste, das kann so nicht weitergehen, so will ich das nicht. Nebenbei hat er noch so einige Sachen abgezogen, die einfach nur unglaublich waren. Da fragt man sich im Nachhinein, ob jemand, der dich liebt, dir wirklich sowas antun kann. Es hilft mir ungemein, dass ich die Person überall blockiert habe und er mich nicht mehr kontaktieren kann. In der gemeinsamen Wohnung lebe ich jetzt alleine mit meinen Miezen und ich erlebe endlich wieder Glücksmomente und liebe das Leben ohne jemand anderen dafür zu brauchen.

    Dein Post bestärkt mich nochmal darin, dass die Entscheidung wirklich richtig ist. Jetzt wird erstmal das Leben genossen und irgendwann finden wir auch den Richtigen, aber das hat noch Zeit. 😉

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      malinasternberg
      13. Dezember 2016 at 13:16

      Ohja, diese Wahrnehmung von der du sprichst hatte ich auch irgendwo nicht mehr wirklich. Und ja, die Entscheidung war sicherlich auch für dich die Richtige. Auch wenn es bedeutet hat, jemand anderen wirklich zu verletzen. Aber man selbst ist, wie Luisa in ihrem Kommentar schon gesagt hat, in seinem Leben einfach die wichtigste Person. Und sich für jemanden aufzuopfern, der einen nur mit Füßen tritt, ist richtig dämlich. Das macht aber jede sicherlich mal durch. Und ich hoffe, dass einfach mehr und mehr Mädels begreifen, dass sie genau das nicht sollten.
      Ha, dein letzter Satz mit “Aber das hat noch Zeit” lässt mich sehr schmunzeln. Vielleicht schreibe ich irgendwann mal eine Fortsetzung zu dem Text. 😉

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    Sophie
    12. Dezember 2016 at 21:54

    Liebe Malina,

    wie recht du hast. Ich durchlebe im Moment genau die gleiche Phase. Weißwein, Zigaretten, Parties, unendlich schöne Stunden mit Freunden. Es freut mich, dass du so glücklich bist und deine Entscheidung nicht bedauerst. Man sollte nie seine Ansprüche runterschrauben. Das ist so furchtbar bequem. Wir haben alles richtig gemacht. 😊😄

    Nochmal danke für deine Text. Ich überlege auch schon ewig, ob ich mal darüber schreiben soll und du hast mir sozusagen den letzten Tritt verpasst. Danke dafür! 😍

    Bussi, Sophie

    • Reply
      malinasternberg
      13. Dezember 2016 at 13:09

      Unbedingt Sophie! 🙂
      Ja, wir haben alles auf alle Fälle richtig gemacht. Das war die beste Entscheidung des Jahres, die ich schon viel früher hätte treffen sollen. Wobei es auch gut war, dass ich sie vielleicht erst jetzt getroffen habe. wer weiß, ob die Dinge, wie sie jetzt sind, so überhaupt gekommen wären. Ich denke zwar, dass sich unsere Phasen etwas voneinander unterscheiden, aber das wichtigste ist, dass wir das Leben in vollen Zügen endlich wieder genießen.
      Bin gespannt auf deinen Text! <3

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    Tanja L.
    14. Dezember 2016 at 8:26

    Habe durch den Post deinen Blog gefunden. Finde es sehr offen was du schreibst. Und schade, dass es doch nicht geklappt hat. Aber es kann ja jetzt nur besser werden! So, werde jetzt erst mal bei dir stöbern. 🙂

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    Lisa
    14. Dezember 2016 at 23:24

    Liebe Malina🎀 Deine “Story” spiegelt einfach so sehr mein Leben wieder. Und ich bin dir so dankbar, dass ich heute endlich nach 2 Jahren genau diesselbe Entscheidung wie du getroffen habe. Dein Text hat mich so sehr ermutigt und mir endlich die Augen geöffnet.. Es war mit Abstand das Beste was mir in 2016 noch passieren konnte! Vielen Dank❤
    Liebe Grüße 💋

    • Reply
      malinasternberg
      15. Dezember 2016 at 14:55

      Wooah, krass! Ich hätte echt mit allem an Reaktionen gerechnet, aber nicht damit! Dann wohl erstmal herzlichen Glückwunsch, ich hoffe dir geht es gut. Und wirklich: Alles, was danach kommt, wird so viel besser sein. Meine Zeit nach der Trennung war schon so viel besser als die komplette Beziehung. Und ich möchte wirklich nicht alles in den zwei Jahren verteufeln, klar gab es auch schöne Momente. Aber ein stressfreies Leben ist einfach so viel mehr wert. Ich hoffe, dass es dir genauso geht. Wünsche dir alles alles Gute und bin so froh, dass du mir geschrieben hast! 🙂

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    Die erste Jahreshälfte 2017 - Ein persönlicher Rückblick
    24. Juli 2017 at 10:27

    […] noch in meiner WG gewohnt, meine Katze Millicent musste ihren Napf noch nicht mit Hermine teilen, dieser Text war mehr als aktuell, und ich steckte mitten in meinem Volontariat bei einem Fuldaer Magazin. Das […]

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